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Wollzauber – mein Happy Place der 90er

Der Wollzauber – ist und bleibt ein Teil meiner Kindheit und ein Stück meiner kreativen Identität. Ich denke gerne an diesen Ort zurück.

Wolle statt Wickie und die Starken Männer

Mit dem Thema Handarbeit im Allgemeinen bin ich schon früh in meinem Leben in Berührung gekommen und zwar in dem Handarbeitsgeschäft meiner Mama und meiner Oma. Es trug den wunderbaren Namen „Wollzauber“, denn die beiden, besonders Oma, war eine virtuose Strickerin und daher ganz besessen von Wolle und Maschen.

Ich wuchs also auf zwischen Gläser voller Knöpfen, Pailletten, Strick- und Häkelnadeln. Marken wie Lana Grossa, Schachenmayr und Anchor waren mir bereits in der Grundschule ein großer Begriff. Oft wenn Mama arbeiten musste, hatte sie mich mit ins Geschäft genommen und ich spielte mit all den tollen Produkten rund ums Häkeln und Stricken. Im Fenster konnte man immer wieder wechselnd schöne Deko und noch viel schönere Strickpullis der Damen bewundern.

An einer großen Wand konnte man duzende Wollknäule in allen erdenklichen Farben, Qualitäten und Stärken finden. Egal ob man Sockenwolle oder ein neues Garn für das zukünftige Traumstück suchte.

Gegenüber konnte man Zubehör, wie eben Knöpfe oder Pailletten finden und das passende Werkzeug rund um Nadeln, Maschenmarkierer & Co. hing nebenan.

Es gab zwischen Wollwand und Kassentheke sogar eine kleine Umkleidekabine, wenn man das fertig zu kaufende Strickstück vor dem Erwerb noch anprobieren wollte.

Es gab aber nicht nur Wolle und Co. zum Häkeln und Stricken, sondern selbstverständlich kamen auch Fans von Perlgarn und Sticktwist auf ihre Kosten.

Die Kunden schätzten aber nicht nur das hochwertige Sortiment des Wollzaubers, sondern natürlich auch die überaus kompetente Beratung der beiden Chefinnen und ihrer Mitarbeiterin. Besonders Oma blühte in diesem Thema auf und es gab kein Problem bei dem sie keine Lösung wusste.

Omas Strick-Buddys – „Die Strickfrauen“

Zusätzlich veranstaltete Sie jeden Mittwochabend ab 19:00 Uhr bei ihr zu Hause einen Strick-Club, „Die Strickfrauen“. Hier saßen regelmäßig mehr als eine Handvoll Frauen, um Omas Esstisch, jede mit ihrem eigenen Strickprojekt in den Händen und erzählten sich das Neueste aus dem Dorf. Ab und Zu, war natürlich Omas Expertise gefragt. Das machte ihr besonders viel Spaß.

Wenn ich bei ihr zu Besuch war, setzte ich mich zu den betagten Damen gerne hinzu und lauschte den Geschichten, die mit dem Klappern der Stricknadeln harmonisch begleitet wurden.

Wie ich selbst an die Nadel kam

In der Schule lernt man für’s Leben – auch Handarbeiten. Im Handarbeitsunterricht lernten wir zunächst das Handsticken mit den verschiedenen Stichen. Als Projekt gab es ein kleines Nadelheft zu fertigen und das Material stellte natürlich der „Wollzauber“.

In der 4. Klasse ging es dann einen Schritt weiter und die Klasse sollte aussuchen, welche Technik sie als nächstes lernen wollte – Häkeln oder Stricken. Die Wahl fiel aufs Häkeln. Als ich das lernte, war es ganz um mich geschehen. Es hat sofort super geklappt und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das ist bei diesen Techniken für mich nicht immer ganz selbstverständlich, denn viele Rechtshänder tun sich schwer damit, mir dies als Linkshänderin beizubringen. Von da an war ich ganz klar im Team „Häkeln“.

Wann immer etwas aus Wolle gebraucht wurde, Isi hat es gehäkelt. Ich habe immer wieder versucht mich an das Stricken zu wagen bzw. Mama hat mehrere Versuche unternommen, es mir beizubringen, aber sie ist eben auch eine Rechtshänderin, der es schwer fällt, mir das zu lehren.

Fähigkeiten sind das schönste Erbe

Irgendwann vor ein paar Jahren, nach dem dem xten Versuch das Stricken zu lernen, kam ich wieder einmal zu meiner Oma und bat sie, es mir nun nochmal zu zeigen. Wie immer, wenn man sie in diesem Bereich um ihren Rat fragte, freute sie sich sehr und begann sofort zu überlegen und ebenfalls als Rechtshänderin umzudenken. Sie konnte so gut stricken, dass sie auch wusste, wie in anderen Ländern gestrickt wurde und war eben auch in der Lage, ihre Strickmanier im Kopf so zu spiegeln und umzudenken, um es mir als Linkshänderin beizubringen. Wir übten immer wieder und ein bisschen kam ich mir vor, wie die Strickfrauen von damals. Am Ende bekam ich sogar ganz eigenständig einen Schal in glatt rechts zustande. Ich war stolz ohne Ende. Das, was man bei selbstgemachten Dingen immer sein kann, ich aber schon lang nicht mehr fühlte, weil selbstgemacht für mich eben schon selbstverständlich war.

Ich bin wahrlich keine gute Strickerin, kann nicht viele Muster und habe außer diesem Schal noch kein vorzeigbares Werk vollbracht, aber dennoch habe ich ein Stück der Begeisterung gewonnen und auf jeden Fall meinen fürchterlichen Respekt davor verloren.

Meine Oma lebt inzwischen nicht mehr aber immer, wenn es ums Stricken geht, denke ich an Sie und bin stolz, dass sie mir diese tolle Fähigkeit als Erbe geschenkt hat.

Danke, Oma♥

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