No Love at first sight
Liebe auf den ersten Blick – oder etwa doch nicht? Nein, eher nicht, zumindest nicht, was das Thema Nähen betrifft.
Wollzauber – mein Happy Place der 90er – Isi loves Handmade In diesem Beitrag habe ich ja berichtet, wie das Thema Handarbeiten in mein Leben kam. Ich schrieb auch, dass man ja in der Schule für das Leben lernt – auch das Handarbeiten. Wer hätte damals bei diesem Satz gedacht, welche tollen Dinge man in der Schule für’s Leben lernt – so auch das Nähen.
In der Schule lernt man für’s Leben
Zugegeben, im Textilunterricht, welchen wir in der siebsten oder achten Klasse hatten, als das Thema Nähen anstand, war ich nicht dieser Meinung. Wir hatten bislang fast alle Handarbeitstechniken durch, welche mir immer sehr viel Spaß machten. Nun kam also das Nähen dran. Natürlich prädistiniert für den Textilunterricht – logisch.
Die Aufgabe war, dass wir ein Frisbee aus Stoff nähen sollten, um so den Umgang mit der Maschine und die Arbeitsweisen von Nähabläufen kennen zu lernen. Jeder Schüler wurde an eine Mittelmäßige Maschine gesetzt. Die Lehrerin hatte verschiedene Stoffe dabei, bei welchen mir nun meine Aufgabe erschien, den am wenigsten hässlichsten Print herauszusuchen. Somit habe ich dann das kleinste übel von einem Stoff gewählt, der hauptsächlich grün in verschiedenen Schattierungen enthielt, gepaart mit unschönen gelben Mustern in Form von Blättern oder ähnlichem darauf. Es kam mir so vor, als hätte unsere Lehrerin kurz davor ausgemistet. Kann ich verstehen, ich hätte diese Stoffe auch aussortiert. Dass das natürlich der schlechteste Startpunkt ist, um Schüler an dieses Thema heranzufüren, muss nicht diskutiert werden.
Nun denn. Im groben Ablauf ging es darum, einen kreisrunden Frisbee mit Vorder- und Rückseite und zusätzliche in 1,5 bis 2 cm Abstand nach innen quasi einen Tunnel zu nähen, in den dann später Sand als Gewicht für’s Fliegen gefüllt wurde.
Ich saß an dieser Maschine, deren Bedienung ich nicht kannte, meine Fingerfertigkeiten praktisch nicht vorhanden waren, um Stoff zwischen Untertransport und Nähfuß zu manövrieren und ich noch nie eine einzige Naht genäht hatte. Ich hatte also null Plan und sollte dann gleich einen Kreis nähen – also bitte.
Das Unglück nahm weiter seinen Lauf
Ich hatte also noch nie eine Maschine engefädelt, konnte den spärlichen Ausführungen meiner Lehrerin nicht folgen und hatte sowieso keine Ahnung was ich da tat und wie die Maschine reagierte. Unabhängig von dem bereits erwähnten hässlichen Stoff, war ich auch sehr unzufrieden mit dem Nahtbild, was aus unregelmäßigen Stichen und schiefen Wellenlinien gepaart mit Fadensalat bestand. Diese Näherei habe ich als eine wahrliche Tortur empfunden und hätte gefühlt alle paar Stiche diese blöde Maschine aus dem Fenster werfen wollen. Ich war sauer und frustriert und war froh, als diese Schmach ein Ende hatte.
Falsche Glaubenssätze aus der Schule
Es stand also fest – Nähen ist blöd und ich kann es nicht, Punkt! Zum Glück kann ich mich auch nicht mehr daran erinnern, welche Note dieses hässliche Ding bekommen hat und ich kann auch leider kein Foto zeigen – vieleicht auch „zum Glück“.
Aber, Gott sei Dank, war das nicht meine erste Handarbeitstechnik, sonst hätte ich als Jugendliche, in der man sowieso viele Dinge in seinem heranwachsenden Leben hinterfragt, gedacht, dass ich grundsätzlich nicht für’s Handarbeiten und Handwerken gemacht wäre. Viel schlimmer noch: Vielleicht wäre ich sogar auf den Gedanken gekommen, dass ich überhaupt nicht kreativ wäre. Zum Glück, nicht. Das wusste ich ja bereits, dass ich grundsätzlich schon geschickt bin in solchen Dingen und auch kreativ genug bin, um mir alles Mögliche auszudenken. Sowieso spielte und spielt bis heute KREATIVITÄT eine Hauptrolle in meinem Leben.
So musste ich also nur die Niederlage gegen die Nähmaschine verkraften und einfach akzeptieren, dass ich für das Werken mit Stoff nicht gemacht bin. Dafür habe ich andere Fähigkeiten. So ist das eben, in jedem Lebensbereich, was soll’s.
In diesem Bericht erzähle ich Dir, wie ich doch noch an die Nadel kam.
Bis dahin,



