Pattydoo, ich danke Dir
In diesem Beitrag habe ich Dir ja erzählt, dass mein erstes Rendez-vous mit einer Nähmaschine so ganz und gar nicht romantisch verlief. Nach diesem negativen Erlebnis und der Erkenntnis, dass ich dafür wohl einfach nicht geboren bin, habe ich es viele Jahre dabei belassen.
Meine Freundin und ihr Fastnachtshäs
In der Realschule hatte ich eine Freundin deren Mutter spätestens im Herbst für sie und ihre Schwester anfing aus irgendwelchen Nähheften, welche speziell für die Fastnachtszeit gemacht waren, ein Kostüm auszusuchen und dieses dann ab Oktober zu Nähen. Bei jedem Besuch meiner Freundin konnte ich dann den fortlaufenden Prozess dieser Kostüme bewundern. Die Mutter war eigentlich keine exzessive Hobbynäherin im eigentlichen Sinne aber für Fastnacht macht man hier in unserer Region schon viel. So konnte ich dann zwischen Halloween und Heilig Abend zusehen, wie die Kostüme oder Häser, wie man hier sagt, von Mal zu Mal Gestalt annahmen. Ich bewunderte diese Fähigkeiten und beneidete meine Freundin um solch eine Mutter sehr.
Also nicht, dass Du das falsch verstehst, ich liebe meine Mutter und sie hat viele Qualitäten, Nähen jedoch, gehört nicht dazu. Zumindest reichte es nie für so schöne Fastnachtshäser, wie bei meiner Freundin und ihrer Schwester. Nun denn, dann eben nicht. Ich hatte trotzdem immer Spaß an der Fastnacht.
Ein Fastnachtshäs für Isabel
So ganz gingen mir die Kostüme meiner Freundin, mit welcher ich über die Jahre nicht mehr so viel zu tun hatte, weil jeder einfach seiner Wege geht, nicht aus dem Kopf. Spätestens zwischen Silvester und Schmotziger Dunschdig kam ich immer wieder auf den Gedanke zurück, wie schön es doch wäre, jemanden zu haben, der so tolle Kostüme für einen selbst nähen kann. Viele fünfte Jahreszeiten zogen so ins Land und nichts weiter passierte.
Ich war inzwischen Mitte zwanzig und eines Tages hatte es mir gereicht. Wenn sich nun nicht einmal der Himmel endlich auftun und mir eine Näherin schicken möchte, muss ich, wenn ich so ein tolles Kostüm möchte, nun selbst tätig werden. Aber wie? Ich kann doch gar nicht nähen! Naja, zum Glück kann ich auf meine guten Lernfähigkeiten vertrauen und es wird einfach gelernt, was man nicht kann. Punkt.
So beschloss ich, nach ein paar Jahren Ruhe, der Näherei eine zweite Chance zu geben. Zum Glück, denn sonst gäbe es hier für Dich hier heute nichts zu lesen. 😉 Aber zunähst konnte ich ja nicht gleich in die Vollen gehen und mir ein komplettes Kostüm nähen. Ich musste ja erstmal die Basics lernen und so muss ich mir erstmal Anleitungen, Techniken und kleine Projekte suchen, die ich auf der Necchi Haushaltsnähmaschine meiner Mutter umsetzen konnte. Mit diesem Entschluss begann nicht nur meine Sternstunde, sondern auch die der Maschine. Denn so viele und „tolle“ Projekte, wie sie eine Zeit lang in Zukunft nähen sollte, hatte sie davor in ihrem langen Nähmaschinenleben nicht erlebt.
Pattydoo, ich danke Dir
Ich holte also sofort mein Tablet und gab in die Google-Suche den Begriff „Nähblogs“ ein. Einige wenige erschienen und ganz oben las ich den Namen „Pattydoo“. Na, was ist denn das? Da will ich doch mal schauen. Auf diesem Blog fand ich nicht nur schöne kleine Projekte für mich als Anfänger, sondern auch eine sehr sympathische Lehrerin, die sogar per Videos einem die Arbeitsschritte und Projekte Schritt für Schritt näher brachte. Das war 2013 eine Neuheit. Ich suchte mir also ein Schnittmuster für ein Kosmetiktäschchen aus, stellte mein Tablet nehmen die Maschine und arbeitete dann Schritt für Schritt die Anweisungen von Ina parallel nach. So entstand dann an einem Abend mein erstes eigens genähtes Täschchen, sogar gleich mit Reißverschluss, bei dem Mama mich schon gleich warnte, dass es kniffelig werden könnte. Nach einer Weile hielt ich mein erstes Werk in der Hand, welches ohne Ärger und Schwierigkeiten entstand, sogar der vorgewarnte Reißverschluss zickte nicht. Wow, das gibt es doch nicht. Die Anleitung und ich haben tatsächlich funktioniert. Ich war total geplättet. Ich habe tatsächlich genäht und empfand es nicht schwierig – im Gegenteil: Es hat sogar richtig Spaß gemacht.
Dieses Erfolgserlebnis hat mich dann süchtig gemacht nach mehr. Mein Lerndurst war geweckt und meine Kreativität lebte auf. Von nun an nähte ich mich hauptsächlich abends oder wochenends durch einige Projekte von Ina und schaute mit Begeisterung ihre strukturierten und didaktisch gut ausgearbeiteten Videos, bei denen man wirklich das Gefühl hat, live daneben zu sitzen. Bei Pattydoo gibt es eine Gelinggarantie.
Mit der Zeit schaute ich auch nach, was die Nähwelt noch zu bieten hatte und so kamen immer wieder neue Schnittmuster und Techniken und YouTube-Videos auch im Bereich Bekleidung dazu. Nähen wurde dann immer mehr zu einem großen Hobby und löste das Häkeln irgendwann ab. Ich brachte und bringe mir auch heute noch das Nähen selbst bei. Man kann immer etwas Neues dazu lernen und das ist das Schöne dabei. Heute nähe ich seit ca. 13 Jahren und es wurde mir noch nie langweilig.
Ach ja, so viel sei gesagt: Ein Fastnachtshäs für mich habe ich aber bis heute noch nicht genäht. 🙂



